„Impf-Regime“

Europass

Immer wieder werden wir darauf angesprochen, welche Impfungen wirklich nötig sind. In den einschlägigen Tier-Zeitschriften wird häufig darauf hingewiesen, dass „weniger Impfen reicht“, dass „Impfen krank macht“ oder dass es „neue, modernere Impfstoffe“ gibt.

Dies stimmt und doch stimmt es wieder nicht….

Für uns Menschen, die wir als Kinder ein paar Mal geimpft werden und dann fast gar nicht mehr, ist sicher schwer nachvollziehbar, warum unsere Haustiere jährlich geimpft werden sollten. Allen Tierärzten wird deshalb im Zusammenhang mit den Jahresimpfungen gerne pauschal Geldschneiderei vorgeworfen.

Eines vorweg: Wir sind diejenigen, die kranke Tiere behandeln, nicht diejenigen, die über Krankheiten nur theoretisieren. In unserer Praxis haben wir in den vergangenen Jahrzehnten einige Fälle von Tollwut (ALLE Familienmitglieder wurden im Jahr 1982 nachdem ein Tollwut-Hund in der Praxis behandelt worden war, gegen Tollwut geimpft) und viele Fälle von Staupe, Leptospirose, Hepatitits und Parvovirose, Katzenschnupfen und Katzenseuche, Leukose und FIP gesehen. Alle diese Krankheiten sind potentiell tödlich! Und alle diese Krankheiten beginnen wie ein harmloser Infekt.

Unser eigener Dackel-Spitz-Mischling „Cäsar“ starb am 18.01.1981 trotz Intensivbehandlung an der Parvovirose, der sog. „Katzenseuche der Hunde“, die erst seit 1979 überhaupt bekannt war, weil es damals einfach weder Impfstoff, noch Serum, noch Medikamente dagegen gab. Man hatte damals verzweifelt versucht, die Hunde vor dieser Epidemie, die ganz Europa regelrecht überrollte, mit dem Katzenimpfstoff zu schützen. Auch unser Hund war natürlich hiermit geimpft. Später fand man heraus, dass der Katzenimpfstoff Hunde aber nur für ein halbes Jahr schützt. Der Hundeimpfstoff kam für Cäsar und etliche Leidensgenossen zu spät….

Zwei der Katzen auf dem Foto unten waren im Herbst 2014 eine Woche, nachdem diese Aufnahme entstand, ebenfalls plötzlich tot. Katzenseuche war die Ursache!

Den Rest des Wurfs konnten wir mit Seruminjektionen und Intensivbehandlung retten.

Grund für den Tod der Wohnungskätzchen war, dass ein Besucher das Virus mit dem Schuhwerk hineingetragen hatte.

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Die so gerne beschworenen „Impfschäden“ haben wir jedoch noch niemals erlebt. Ab und zu und v. a. bei Tollwut oder Leukose-Impfungen entsteht an der Impfstelle eine kleine Reaktion in der Unterhaut, die sich jedoch innerhalb weniger Wochen spurlos zurückbildet.

Eine bestimmt Tumorart, Fibrosarkome bei Katzen, von der im Zusammenhang mit Impfungen auch häufig die Rede ist, können im Zusammenhang mit jeder subcutanen Reaktion entstehen. Nach unseren Impfungen haben wir so etwas noch nie erlebt. Wir haben jedoch schon einmal ein Katze wegen eines Sarkoms einschläfern müssen, das wir zuvor zweimal entfernt hatten und das sich im Nacken gebildet hatte. An dieser Stelle hatte wenige Wochen zuvor laut Angabe der Besitzer eine Kollegin geimpft. Mittlerweile gilt die von uns immer abgelehnte Impfung in die Nackenfalte als Kunstfehler.

Wenn Hunde kleiner Rassen oder geschwächte bzw. empfindliche Tiere die Mehrfachimpfungen schlecht vertragen, kann man die Komponenten auch einzeln impfen.

KatzenschnupfeEin extremer Fall: Fundkätzchen „Kessy“ im Jahr 2000. Sie war damals erst sechs Wochen alt und wurde krank aufgefunden mit flüssigem Durchfall und vereiterten Atemwegen. Wie sich herausstellte, hatte sie Katzenschnpfen und Katzenseuche gleichzeitig. Dank eines Serums und wochenlanger Behandlung überlebte sie und konnte später gesund vermittelt werden.

Die Häufigkeit dieser gefährlichen Krankheiten in der Tierpopulation Deutschlands hat heutzutage glücklicherweise abgenommen, aber nur, weil gute und zuverlässige Impfstoffe entwickelt wurden und ca. die Hälfte der Tierbesitzer ihre Tiere regelmäßig, und zwar i. d. R. jährlich (aber, wie Sie sicherlich wissen, kommt ma ja auch in manchen Jahren über den Impftermin einfach hin:-)) impfen ließ. Bei Importhunden aus EU-Nachbarländern finden sich die besagten Krankheiten noch relativ häufig, deshalb sind wir hier in Deutschland in der sprichwörtlichen Mitte Europa keineswegs sicher vor neuen regelrechten „Seuchenzügen“ durch aggressivere  Serotypen aus Ost- und Südosteuropa.

Die Theorie aller Forscher ist, dass man mehr Tiere weniger häufig impfen soll.

Wie aber soll man einen Tierbesitzer, der sein Tier bisher, aus welchem Grund auch immer, nicht impfen ließ, angesichts solcher Schlagzeilen (s. o.) von der Wichtigkeit von Impfungen überzeugen?

Wenn Sie Ihr Tier dauerhaft wirkungsvoll schützen wollen, kommen Sie weder bei Hund, noch bei der Katze oder dem Kaninchen, um jährliche Impfungen herum.

Gegen einige der folgenden Erkankungen, z. B. gegen die Tollwut, kann man das Impfintervall verlängern, da es keine gesetzliche Verordnung mehr gibt, die eine jährliche Impfung fordert und da man außerdem weiß, dass die Immunantwort bei Tollwut auch bei mehrjährigen Intervallen noch recht gut ist.

Zu bedenken ist hierbei jedoch: Immer wieder gibt es jedoch Tiere, deren Immunsystem in irgendeiner Form geschwächt ist. Bei sehr jungen und bei alten Tieren lässt die Immunantwort oft zu wünschen übrig. Sehr deutlich schwarz auf weiß war dies nachvollziehbar, als Schweden und Norwegen noch Tollwut-Antikörper-Untersuchungen als Einreisebedingung hatten; denn nicht wenige Tiere durften damals wegen zu niedrier AK-Titer nicht mitreisen.

Gegen bestimmte Krankheiten aber, wie Leptospirose, Borreliose, Zwingerhusten und Katzenschnupfen muss man jedes Tier nach wie vor jährlich impfen, wenn man den Schutz dauerhaft aufrechterhalten, weil hier das Immunsystem gesunder Tiere den Spiegel nicht viel länger als ein Jahr aufrechterhalten kann. Die Impfstoffhersteller empfehlen hierfür sogar wieder eine Doppelimpfung, wenn ein Jahr wesentlich überzogen ist.

Wir impfen jedes Tier so oft und so gut, wie es individuell erforderlich ist.

Diesem Zweck dient das der Impfung vorausgehende Gespräch.

Hundeimpfungen sind möglich gegen:

Staupe äußert sich in Husten, Schnupfen, Durchfall und neurologischen Problemen

Hepatitis contagiosa canis ist eine ansteckende Leberentzündung.

Leptospirose wird durch Rattenurin übertragen und ist auch für Menschen beim Schwimmen in Gewässern eine Gefahr; Leber- und Nierenentzündungen sind die Folge, es existieren viele verschieden Serotypen.

Parvovirose ist eine häufig tödliche Durchfallerkrankung.

Zwingerhusten ist ein ansteckende Hustenerkrankung. Man impft meist gegen die Parainfluenza, eine Viruserkrankung, ähnlich der Grippe des Menschen. Ungeimpte Tiere leiden meist an dem Virus und zusätzlich an bakteriellen Infektionen, so dass Spätschäden an Lunge oder Herz häufig sind.

Tollwut ist eine Erkrankung, die durch Bisse infizierterter Tiere übertragen wird. Man unterscheidet die stille un die rasende Wut. Hat der Erreger sich einmal entlang der Nerven ausgebreitet, kann man ihn nicht mehr bekämpfen. In Entwicklungsländern, sterben jede Jahr zig tausende Menschen an Tollwut.

Borreliose wird durch Zeckenbisse übertragen und äußert sich im akuten Stadium durch hohes Fieber und im chronischen Stadium durch Gelenk- oder Nierenschäden. Empfindlich für die Entwicklung von Nierenschäden sind v. a. Labradore und Berner Sennenhund, deshalb ist hier zur Prophylaxe auch das Auftragen eines guten Zecken-Spot ons sinnvoll.

Katzen kann man schützen gegen:

Katzenschnupfen ist eine hochansteckende und oft tödliche Schnupfenerkrankung bei Katzen. Die Impfung schützt gegen zwei Erreger, ein Herpes- und ein Calicivirus.

Katzenseuche ist eine ebenfalls hochansteckende Durchfallerkrankung, die bei Katzen aller Altersstufen häufig zum Tod führt. Unbehandelt sterben alle Katzen daran.

Tollwut  ist ein Schreckgespenst. Bis in die 1980er Jahre hatten wir in Deutschland etliche Tollwutfälle. Dann wurden die Füchse geimpft, und Deutschland wurde tollwutfrei. Ein trügerischer Frieden, denn die EU-Nachbarländer sind voll davon….

Leukose ist eine ansteckende Form der Leukämie bei Katzen. Erreger ist ein Retrovirus, ähnlich wie bei der FIV, gegen die es keinen Impfstoff gibt.

FIP ist eine ansteckende Brust- und Bauchfellentzüundung. Man unterscheide eine feuchte Form mit Ergüssen in Brust- und Bauchhöhle und eine trockene Form mit Knötchen (Granulomen) in verschiedenen Organen. Die trockene Form lässt sich kaum von Krebs abgrenzen.

Für Kaninchen existieren Impfungen gegen:

RHD ist eine häufig subakut (sofort) tödlich verlaufende Kaninchenkrankheit.

Myxomatose äußert sich durch Ödeme.

Kaninchenschnupfen ist noch gefährlicher als Katzenschnupfen, weil Kanincheneiter eine Konsistenz wie zäher Rahm hat und nicht abfließen kann, so dass häufig sehr schnell die Nasennebenhöhlen vereitern.